Plastikfreie Stadt – Die Suche nach einer machbaren Utopie

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Plastikfreie Stadt – Die Suche nach einer machbaren Utopie

In letzter Zeit finde auch ich immer mehr Nachrichten über Plastik: An der tiefsten Meeresstelle, vermüllte Strände, Bisphenol A im Blut, Tiermägen voller Plastik und die Aussage, dass ein Leben ohne Plastik gar nicht mehr möglich ist Na gut, die Mülltonnen sind voller Plastik, als würde es nur zum Wegwerfen hergestellt werden. Und im Park sieht es grad gut aus, weil hier jeden Morgen aufgeräumt wird Hallo! Hey, grüß dich Also, was willst du mir zeigen? Ein schönes Vogelnest, was voll mit Plastik ist Guck’s dir mal an … siehst du’s da oben? Wowh! Es verwundert mich nicht, dass Vögel dieses einstige Wundermaterial verwenden Nur entpuppt es sich seit einigen Jahren als ziemlich lästig Es wird sogar schon einiges gegen das Plastik gemacht Es gibt einige Institutionen, die sich zusammen- geschlossen haben und sich treffen Und da gehen wir jetzt mal hin Auf! Herzlich Willkommen hier zum Vernetzungstreffen der Plastikfrei-Initiativen Morgen startet ja der große Kongress zusammen mit NaturVision und wir freuen uns im Vorfeld jetzt hier zu dem Vernetzungstreffen einladen zu können Ja, es wird tatsächlich etwas dagegen gemacht Überall in Deutschland haben sich Organisationen gegründet, denen die Plastikflut stinkt Und hier werden Ideen ausgetauscht und entwickelt, wie zum Beispiel kleine Aschenbecher gegen rum liegende Filter, die das Grundwasser verunreinigen oder Aktionen an Schulen und Wochenmärkten Und man vernetzt sich natürlich Der darauf folgende “Kongress Plastikfreie Stadt” verschärft den Ton gegen Kunststoffe Nur die Plastiklöffel vom Catering werden nicht erwähnt Wir beschäftigen uns mit dem Ziel: “Wie kriegt man eine Stadt plastikfrei?” Am Beispiel Ludwigsburg machen wir das und mit dem Ziel, dass wir da so eine Art von Leitfaden erarbeiten, damit andere Kommunen, andere Initiativen das aufgreifen können und sozusagen einen etwas geordneten Weg gehen können Sie sehen jetzt einen x-beliebigen Fußgänger-Übergang und das können Sie, wenn Sie mal ein bisschen runter gucken, jeden Tag zu jeder Stunde sehen Sie kennen vermutlich alle auch diese Aussagen, dass es dann irgendwann mal so weit kommen wird ‒ kann man sich drüber streiten wie die Zeitskala genau aussieht ‒ dass wir bald mehr Plastikmüll in den Weltmeeren haben als Fische Nur ein Prozent der Kunststoffmasse, die in den Weltmeeren tatsächlich sich befindet, schwimmt oben Ein Teil davon ist an den Stränden, aber der größte Teil liegt mittlerweile auf dem Meeresgrund Plötzlich sehe ich überall Plastik! Und ich frage mich, ob eine “plastikfreie Stadt” möglich ist In Ulm findet hierzu ein Nachhaltigkeits-Forum statt Ja, “Hallo” und “Grüß Gott” an diesem schönen Samstag Morgen in Ulm zu unserem 3. RENN.süd-Forum Es gibt insgesamt über zwanzig Kooperationspartner in allen Bundesländern Und wir haben den Auftrag, dass wir Sie, also quasi die Zivilgesellschaft vernetzen, unterstützen sollen Das Grundgesetz ist eine super Verfassung, stammt aus dem Ende der 40er Jahre und die Väter des Grundgesetzes hatten sozusagen die gesamte Verfassungsweisheit damals in das Gesetz reingeschrieben Aber sie konnten nichts von Nachhaltigkeit wissen Sie konnten nichts von den Herausforderungen des Klimaschutzes und der Erderwärmung wissen, nichts von den Müllbergen Deswegen brauchen wir heute einen Verfassungsauftrag an die Institutionen dieses Landes, sich um Nachhaltigkeit zu kümmern “Plastikfreie Stadt” ist ja ein Thema, das gerade in aller Munde ist und auch dazu beschäftigen wir uns ja vielfältig ‒ haben wir ja heute gesehen, haben wir beim großen Kongress gesehen ‒ und ich glaube da ist noch einiges zu tun, bis Kommunen wirklich Abfallvermeidung so ernst nehmen, dass wir in die Nähe einer plastikfreien Stadt kommen Aber (ich) bin auch zuversichtlich, dass die Zivilgesellschaft einiges dazu beitragen kann Also ich find’s ganz interessant: in Nürnberg, da gibt es zum Beispiel die Bio-Städte ‒ Nürnberg ist eine Bio-Stadt, wir sind auch eine Bio-Metropolregion ‒ und das Plastikthema ist da so ein bisschen ganz am Anfang

Es gibt so die ersten Zero-Waste-Städte wie Kiel, die sich schon offiziell dazu bekennen, so eine Stadt zu sein Vor lauter Angst um Infektionen sind wir total “verplastikt” Wir praktizieren zuhause: erstmal eigene Produkte verwenden, 2. plastikfrei und wenn wir was verwenden ‒ wie gesagt: eigene Behälter mitbringen oder aber selbst die Tüte, wenn man einkauft, die wird dann wiederverwendet für den Restmüll, also das haben wir auch ein bissl Was fällt euch zu dem Thema “Plastikfreie Stadt” ein? Das Thema ist so komplex, da musst du einfach mal bei uns vorbei kommen Auf nach München! Ich soll nach München kommen?! Ja klar! Und so begebe ich mich in Bayerns Hauptstadt auf die Suche nach Rehab Republic Ja, dann hab ich’s ja gleich gefunden! Ich bin von Rehab Republic und ich mache vor allem das Projekt “einmal ohne bitte” hier, aber auch alles was sonst so anfällt und Spaß macht um nachhaltiger zu leben Jetzt kannst du mir mal eine Sache bitte verraten: Warum trage ich das hier? Das trägst du, weil wir jetzt gleich plancen gehen Wir werden jetzt gleich raus gehen und das Gelände hier ein bisschen vom Müll befreien, aber damit es ein bisschen Spaß macht: mit viel Musik und tanzend Also es ist ursprünglich ein Trend aus Schweden, der bedeutet, dass du beim Laufen, also beim Joggen, Müll aufsammelst Und das Wort setzt sich zusammen aus “plocka”, das Schwedisch ist für “aufheben”, ”Müll aufheben”, also ich sprech’ kein Schwedisch, aber das sagt man so, und aus dem Wort “joggen”, also “plocking” und wir haben daraus im Rahmen des Dance-Festivals haben wir dann einfach “plancing” gemacht Man ist irgendwie einfach mit vielen Leuten, hat coole Musik, bewegt sich und kann gleichzeitig noch was für die Umwelt tun Und man ist draußen an der frischen Luft, also es gibt irgendwie gar keine “down sides” Rehab Republic ist ein selbsternanntes Kreativ-Kollektiv, bei dem wir Projekte umsetzen, die sich hauptsächlich um Nachhaltigkeit, Umweltschutz und die Aktivierung der Zivilgesellschaft bemühen und das wichtigste ist uns eigentlich: einfach mal machen! Keine erhobenen Zeigefinger, es muss einfach nur wahnsinnig viel Spaß machen Wie zum Beispiel Schnippelpartys, so wie gerettete Lebensmittel schnippeln und verkochen zu Live-Musik … dann haben wir Kleidertauschpartys, wo wir unsere Klamotten, unsere Lieblingsstücke untereinander tauschen Und eine Schnippelparty ist bestimmt weniger anstrengend Also wenn dir deine Zukunft und die Zukunft deiner Kinder nicht wirklich komplett egal ist, ja, schau einfach mal: welche Schritte kannst du machen, ja? Egal ob das jetzt heißt “okay, ich nehm meine eigene Tüte mit, ich lass den Strohhalm weg, ich fahr vielleicht so ein paar Mal öfter mit der Bahn oder ein paar Mal öfter mit dem Fahrrad”, dann mach das Trau dich einfach! Probier’s mal aus Wenn’s ‘ne Woche gut geht, is’ geil; wenn’s ‘ne Woche nicht gut geht, dann kannst du immer noch was anderes ausprobieren Also ich glaube auch, dass “Plastikfreie Stadt” ist keine Utopie Ich würde sagen “kunststofffrei” ist vielleicht eine Utopie, weil man mittlerweile Kunststoff einfach in so vielen Bereichen teilweise braucht, also wenn man gerade in den medizinischen Bereich schaut Allerdings wenn’s so um Conveniance-Produkte geht, also jetzt Papp-Becher oder diese ganzen Einweg-Produkte, ich glaub das ist auf jeden Fall absolut umsetzbar Ja beim anderen Film von mir über’s Tiny House da habe ich eine interessante Person kennen gelernt, die Verena Und die wohnt mit ihrer Familie komplett plastikfrei

Und gegen manches Plastik kann man sich ja kaum wehren Die jährlichen 36 Milliarden Einwegstrohhalme in Europa sind ja hoffentlich bald Geschichte Naja, auf nach Wiesbaden Ich habe einfach irgendwann gemerkt, das ist zu viel Plastik überall und zu viel Müll und so fing dieser ganze Prozess an, dass ich mich mit den Umwelteinflüssen von uns Menschen angefangen hab zu beschäftigen Dann haben wir mal geguckt, was wir so an Einwegsachen benutzen, also Servietten zum Beispiel oder diese Küchenrollen, ja im Badezimmer zum Beispiel Rasierer, solche Sache … Strohhalme oder auch anderes Also es gibt ja auch zum Beispiel dieses Plastikgeschirr zum Grillen Dann haben wir dann überlegt: was können wir einfach weglassen? Und wo können wir Alternativen finden? Wir haben hier zum Beispiel so selbstgemachtes Eis immer mal Oft wenn irgendwie Obst weg muss oder so, dann pürieren wir es und schmeißen es da einfach rein Hier sind die restlichen Pommes, die wir neulich gemacht haben Packen wir eigentlich alles in so Gläser oder so unsere Brotreste, die wir für einen Auflauf oder so dann benutzen, machen wir einfach in einen Stoffbeutel Ja Obst und Gemüse machen wir tatsächlich meistens einfach so hier rein Die angeschnittenen Sachen legen wir oder stellen auf so einen Teller, dann brauchen wir da kein Plastik drum machen Wurst und Käse, die gehen eigentlich ganz gut ohne Verpackung, wenn man sie halt frisch kauft Und wenn sie aber eben nicht vom Tier sein sollen, dann kriegt man das eigentlich gar nicht ohne Verpackung, genauso wie Tofu Also, was wir halt immer versucht haben, ist den Aufwand eben nicht so groß zu machen Also von irgendwie “wir gehen jeden Abend im Supermarkt noch irgendwas Verpacktes einkaufen” sind wir halt dazu übergegangen in der Regel einmal die Woche einen Großeinkauf zu machen, der dann zu’nem Großteil eben ohne Verpackung funktioniert Aber er ist halt nur einmal die Woche, ich steh dann halt nicht fünf Tage die Woche in der Schlange an der Supermarktkasse so wie ich das vorher gemacht habe Der Große ist jetzt fünf, der weiß mittlerweile was für kleines Spielzeug schnell kaputt geht, wovon er eh nix hat und dann sagt er auch oft so “nee, danke, brauch ich nicht” und das ist auch okay Und auch bei kleinen Kuscheltieren sagt er das Der macht sich schon viel Gedanken, der trifft seine Entscheidungen selber Und ich versuche auch ihn nicht zu sehr zu beeinflussen, also ich versuche halt einfach irgendwie den Kindern was vorzuleben und ich versuche aber ihnen halt nicht zu vermitteln “ihr müsst das so machen!” … das haltet statt schon, wo, wo Menschen einsteigen … Einsteigen! Einsteigen, Mensch! Anhalten! Anhalten, Bahn! Meine Zukunftsutopie ist eine Stadt in der man keine Einwegverpackungen mehr bekommt Oder sagen wir so: alles in Mehrwegverpackungen kaufen kann und Supermärkte Lebensmittel nicht mehr wegschmeißen, sondern weitergeben, sei es jetzt irgendwie offen im Verkauf, dass es reduziert ist oder aber eben an Vereine spenden, die damit weiter was machen und gleichermaßen der Raum in der Stadt demokratisch aufgeteilt ist Schau mal hier … Ich gehöre wohl brav zum Durchschnittsdeutschen, der 220 kg pro Jahr an Verpackungsmüll wegwirft Na klasse Früher ging es doch auch unverpackt, der Einkauf hat halt länger gedauert Doch sollte unsere Gesellschaft nicht ohnehin entschleunigt werden? Es wird also Zeit, mal ohne Plastik einzukaufen Und zwar dürfen und können die Leute hier unverpackt, teils unverpackt, Glas haben wir natürlich, aber vor allem plastikfrei einkaufen Und zwar Lebensmittel und sonstige Dinge des täglichen Bedarfs aller Art Du guckst was du zuhause hast, an Tupperdosen, an Gläsern, an Beuteln et cetera, marschierst los, überlegst dir was du brauchst, kommst hier rein, stellst das Ding, dein Gefäß auf ‘ne Waage,

nimmst das Leergewicht auf und dann marschierst du zu den “Glas-Bins”, so heißen diese Behälter, wo wir unsere Sachen abgefüllt haben und füllst dort die Menge ab, die du tatsächlich brauchst Also wenn du nach einem Rezept kochst und 80 Gramm von irgendeinem Reis oder sonstwas brauchst, dann füllst du dir die 80 Gramm ab und musst keine 250 Gramm kaufen, die dann vielleicht Monate lang in deinem Schrank herumvegetiert und eines Tages dann vielleicht abgelaufen ist und dann auch im Müll landet Also auch Lebensmittelabfälle lassen sich durchaus reduzieren hier Zack! Ich denke, dass das Thema “unverpackt” wird niemals funktionieren Die Dinge müssen verpackt werden, sie müssen allein für den Transport verpackt werden, sie müssen auch in den Geschäften verpackt werden Irgendwo hat Hygiene und lose Ware auch seine Grenzen und von daher: Verpackung brauchen wir, aber bessere und sinnvollere Verpackung Und die geht durchaus plastikfrei Da ist ja auch schon vieles Gutes unterwegs, also von daher gibt’s Möglichkeiten Eieiei … das ist alles Plastik hier, guck mal Aber … gibt’s auch Shampoo unverpackt? Ja! … unter der Dusche … ja natürlich! Kannst du mir eins holen? Ja, ich hol’ dir gern eine Anstatt Shampoo in der Palstikflasche nimmst du dir diese feste Haarseife, als Shampoo-Bit Und wie lange hält das? Ja, so 60 Haarwäschen rum, um den Dreh rum auf jeden Fall Du kannst deine Zahnpastatube austauschen gegen Zahnputztabletten oder hier bei uns auch Zahnpasta abfüllen in dein eigenes Behältnis Also im Badezimmer lässt sich enorm Plastik vermeiden, ja Zahnbürsten sind ja auch aus Plastik Ja die gibt’s aber aus Bambus auch So, ich hab’ mir Zahnbürsten bestellt, Holzzahnbürsten, ich ja ein besserer Mensch werden und … äh … ja … sie wurden jetzt endlich eingeflogen: aus China! Also, schauen wir mal, was sich da drinnen verbirgt Das Wichtigsten ist einfach nur: probier’s aus, schau was dir gefällt und dann do it! Und jeder Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung und es macht auch einfach Spaß! Inspiriert genug möchte ich nun auch was unternehmen Also schnappe ich mir ein umweltfreundliches Kreidespray Wir werden nicht drumrum kommen uns insgesamt über unsere Lebensweise Gedanken zu machen Kunststoffe sind ein wichtiger Teil davon, aber sie sind nicht das ganze Problem Was wir aber erreichen müssen, dass eine Stadt ohne herumliegendes Plastik, ohne Plastik im Klärschlamm, ohne Plastik in den Flüssen, ohne Plastik an irgendwelchen Bäumen funktioniert Wir müssen das Plastik dahin bringen, wo es hergehört und hingehört und das heißt: Kreisläufe Eigentlich würde ich gerne kurz zur Fridays For Future was sagen, weil der, dieser eine sehr intelligente Politiker meinte, man solle das doch lieber den Profis überlassen Diese Profis verbocken das an einer Tour und kommen nicht aus’n Pötten und packen’s eben nicht an oder zumindest die Profis, die dieser Politiker gemeint hat Und ich finde, wir sind alle Profis dabei, dass wir, jeder einzelne, gemeinsam die Welt ändern kann Deutsche Untertitel: Sebastian Weimann