Expedition Europa – Geburt eines Kontinents 1/2 | Ganze Folge Terra X

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Expedition Europa – Geburt eines Kontinents 1/2 | Ganze Folge Terra X

* Titelmusik * Romantische Natur, unberührte Landschaften Und die Kultur des Menschen Europa ist ein Kontinent der Gegensätze Von den dicht besiedelten Gebieten Zentraleuropas zu den endlosen Weiten Russlands Über die höchsten Gipfel der Alpen mit ihren unverwechselbaren Naturdenkmälern Bis an die Küste des großen Ozeans Der Geologe Colin Devey ist auf einer Expedition quer durch unseren Kontinent “Es lohnt sich immer, rauszugehen und genau hinzuschauen.” Er erlebt die Schönheit europäischer Natur “Faszinierend.” Und findet Landschaften voller Rätsel und Wunder Sie erzählen von ihren Bewohnern, ihrer Entstehung Und ihrer Verwandlung Begleiten sie Colin Devey auf einer Reise durch die Naturgeschichte eines einzigartigen Kontinents Von den Anfängen bis heute * Musik * Raues Land im Nordwesten des Kontinents Schottland gehört zu den urwüchsigen Landschaften Europas Es ist Juni, der letzte Vollmond vor der Sommersonnenwende Eine steinzeitliche Kultstätte auf Lewis Island Seit 3000 Jahren stehen diese Steine hier Vermutlich folgt ihre Anordnung dem Verlauf des Mondes Man spürt gerade jetzt in den hellen Sommernächten einen besonderen Zauber Das Gestein des Monuments hat eine tiefergehende Bedeutung für die Insel und ihre Bewohner Der Fels ist die Grundsubstanz dieser Landschaft Die Menschen errichteten ihre Häuser daraus Als Schutz durch das wechselhafte Wetter Zahlreichen Tieren bietet das robuste Gestein einen Lebensraum Seevögel brüten an den steilen Küsten So wie die Trottellummen, deren Junge gerade schlüpfen Aber auch viele andere Tordalken Oder Kormorane Und zwischen den Felsen graben Papageientaucher ihre Nester Hier sind sie ungestört, die Jungtiere in Sicherheit Und es gibt perfekte Startplätze für einen Ausflug So hat sich rund um die Felsen vielfältiges Leben entwickelt Es ist einer der artenreichsten Lebensräume Europas Und dabei geht es nicht nur um die großen Tiere Im Wasser leben unzählige Kleinlebewesen, die wiederum Fische und größere Jäger anlocken Der Fischreichtum ist so groß, dass es genug für alle gibt Auch für die Basstölpel, die mit hoher Geschwindigkeit aus der Luft in die Tiefe stoßen, um Beute zu machen * Musik * Ein Naturparadies auf Stein gegründet “Willkommen auf der schönen Insel Lewis Wir sind zwar mitten im Sommer, aber es ist dennoch recht frisch hier Der Grund dafür liegt 2000 Kilometer in dieser Richtung: Die Südspitze Grönlands Zwischen uns liegt nur der offene Nordatlantik Dementsprechend wirkt die Landschaft sehr rau und ursprünglich Das passt sehr gut zu den Steinen Das sind einige der ältesten Steine Europas Das sind Gneise, sie sind fast drei Milliarden Jahre alt Sie sind tief in der Erde gebildet worden unter hohem Druck und hoher Temperatur Und sind dementsprechend resistent Deswegen finden wir sie noch hier Sie bilden auch den Keim unseres Kontinents Sie sind ursprünglich entstanden am Boden eines Ozeans Aber damals sah die Welt ganz anders aus.” Auch ein Fels verändert sich Vor wenigen Jahrtausenden sah die Küstenlinie vielleicht noch so aus Das Felsentor war geschlossen. Die Kräfte des Ozeans haben hier gewirkt

Vor drei Milliarden Jahren gibt es die Küste noch nicht Unter einer lebensfeindlichen Atmosphäre liegt ein riesiger Ozean Inseln, kleine “Ur-Kontinente” bilden sich durch vulkanische Aktivität Und im Ozean tut sich etwas Die chemische Komposition stimmt Mit Hilfe der Energie aus dem Erdinneren entstehen erste Lebensformen Noch sind es einfache Organismen Die ersten Schritte der Evolution Zu dieser Zeit geschieht es: In der Tiefe beginnt sich der Lewis-Gneis zu bilden Die Bedingungen sind extrem Hohe Temperaturen und immenser Druck formen den Stein, der zu den ältesten Europas gehört So spielten sich die ersten Kapitel europäischer Naturgeschichte im Meer ab Colin Devey begleitet Fischer auf die Schottische See Als Geologe ist er Spezialist für die Entwicklung der Ozeane “Der Kern unseres Kontinents ist vor drei Milliarden Jahren entstanden Das ist ein schier unfassbarer Zeitraum Auch damals gab es schon den Ozean Und da drin ist höchstwahrscheinlich das Leben auch entstanden Heute gibt es auch sehr alte Lebensformen im Ozean Hoffentlich fangen wir gerade welche Ich bin schwer gespannt, was die Jungs gleich an Bord holen.” Seit der Entstehung des Lewis-Gneis hat sich das Leben auf der Erde rasant entwickelt Der Ozean war Zeuge Fast täglich holen die Fischer ein Stück Urgeschichte aus dem Meer “Die Fischer haben mir eine Auswahl aus ihrem Fang gegeben Schauen wir, was wir bekommen haben Als erstes, komm raus, ein kleiner Dorsch Ein Mitglied der Knochenfische Diese Knochenfische sind relativ junge Arten auf dem Planeten Den ersten Knochenfisch kennen wir von vor 200 Millionen Jahren Der hat natürlich viele Verwandte im Ozean Eine kleine Flunder Und denn hier haben wir das, was hier auch echt viel Geld bringt: Die Kaisergarnele, das ist ein Schalentier Die ersten Schalentiere sind vor ungefähr 380 Mio. Jahren in dem Ozean aufgetaucht Und dann haben wir was ganz besonderes: Das hier ist ein Neunauge Das ist kein Fisch Das ist ein Meeresbewohner, der keinen Unterkiefer hat Dadurch kann er nichts knabbern oder kauen, sondern saugt sich an anderen Fische fest Und saugt denen das Blut aus Das ist eine ganz ursprüngliche Art, zu leben im Meer Die ersten Neunaugen sind vor ungefähr 540 Mio. Jahren in den Weltmeeren erschienen Dieser hier lebt noch Den setz ich noch mal rein.” Ein wahrhaft eigenartiges Urzeittier, das Neunauge In seiner gewohnten Umgebung ein eleganter Schwimmer Tatsächlich ist es überaus selten und steht in Europa unter besonderem Schutz Neun Augen hat es nicht Eins auf jeder Seite, eine Nasenöffnung und sieben Kiemenspalten Seine Heimat sind die kalten, sauerstoffreichen Gewässer Nordeuropas Wo manches bis heute an eine längst vergessene Zeit erinnert Urzeittiere sind weit verbreitet wie der Taschenkrebs Oder die Ohrenqualle Und auch der Riesenhai erscheint wie ein Relikt aus der Vergangenheit Die majestätischen Tiere wandern jedes Jahr viele tausend Kilometer durch dieses Meer Aber wie sah der Ozean vor über 500 Mio. Jahren tatsächlich aus? Pflanzen besiedeln das Meer schon seit Langem Doch die Tiere holen rasant auf Geheimnisvolle Würmer hinterlassen im Sediment des Meeresbodens ihre Spuren Quallen sind die ersten Tiere, die mit eigener Muskelkraft durch das Meer schwimmen Raubtiere tauchen auf Viele von ihnen seltsame Gliedertiere mit Klauen und Facettenaugen Am Ozeanboden leben Trilobiten Sie tragen einen Panzer Wahrscheinlich zum Schutz vor Räubern Es herrscht eine erstaunliche Vielfalt Alle wichtigen Hauptgruppen des Tierreichs

entwickeln sich zu dieser Zeit Auch der Vorfahre des des Neunauges Er trägt eine neue Erfindung in sich: eine Wirbelsäule Sie gibt ihm Halt und stabilisiert bei der Fortbewegung Haie kamen in der Evolution erst später Und bis zum heutigen Tag begegnen sich die so unterschiedlich alten Meeresbewohner Für den Hai ist das Neunauge ein lästiger Parasit Die Gewässer Schottlands sind reich bevölkert mit Urzeittieren Vielleicht ist so zu erklären, dass sich Sagen und Legenden bis heute halten so wie hier “Loch Ness, das ist schon ein geheimnisvoller Ort Als ich Kind war, sind wir mit der Familie hierhingefahren in den Urlaub Und meine Eltern haben da drin gebadet Nie im Leben wäre ich mitgegangen Und auch jetzt nicht Obwohl ich als Wissenschaftler weiß, dass es Monster gar nicht gibt Geologisch gesehen ist es hier auch ein ganz wichtiger Ort Zu ungefähr der gleichen Zeit, als die Tiere, die wir gesehen haben, sich im Meer entwickelt haben, kollidierten hier zwei Kontinente Schauen wir das an Auf der einen Seite haben wir Laurentia Das ist das, was wir heute Amerika nennen Auf der anderen Seite Baltica: Norwegen, Schweden Und die trafen sich genau hier Es türmte sich ein Riesengebirge auf Das kann ich von hier unten erzählen Aber von oben in den Bergen ist es richtig gut zu sehen.” Loch Ness liegt mitten in den schottischen Highlands Hier gibt es relativ wenige Menschen und genug Raum für die Natur Beobachter am Wegesrand Der Anstieg ist steil, und schon bald lichtet sich der Forst Statt der typischen Waldbewohner trifft man weiter oben auf die Tiere der Hochmoore Hier, wo im Frühsommer die Birkhähne kämpfen, öffnet sich die typische Landschaft der Highlands Mit ihren traumhaften Ausblicken Das Heidekraut steht in voller Blüte Und gibt der Landschaft einen besonderen Glanz Es ist ein außergewöhnlicher Ort, auch für die Erdgeschichte “Der Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt Nicht nur wegen der Landschaft, sondern wegen der Geologie Ich stehe auf Baltica, auf der anderen Seite ist Laurentia Und mitten in Loch Ness die Stelle, wo diese beiden Kontinente sich getroffen haben Damals gab es hier ein Riesengebirge Und auch sehr viele Erdbeben Weil diese zwei Kontinente sind über 200 km aneinander vorbeigerutscht Wind und Wetter haben seitdem das Gebirge abgetragen Das Letzte, was hier passiert, ist während der letzten Eiszeit: Ein Gletscher kam hier durch und hat den See ausgehöhlt Obwohl das ein sehr imposanter See ist, stellt es nur einen Bruchteil von der gesamten Plattengrenze dar.” Tatsächlich hat das berühmte Gewässer seine langgestreckte Form, weil es Teil einer viel größeren Struktur ist Es gehört zu einer Grenze von kontinentalem Ausmaß, die sich quer über die Nordhalbkugel zieht Diese Struktur ist vor etwa 450 Mio. Jahren entstanden Die Kollision zweier alter Kontinente führt zur Bildung des ersten Urgebirges Europas: der Kaledoniden Es ist Zeit, Abschied zu nehmen vom Norden der britischen Inseln Das nächste Kapitel europäischer Naturgeschichte wird in Zentraleuropa geschrieben Colin überquert die Nordsee Auf dem Weg liegen die Zentren des europäischen Festlands wie Paris Große Metropolregionen wie das Ruhrgebiet Oder der Verkehrsknotenpunkt Frankfurt Die geografische Mitte des Kontinents findet sich aber weiter im Osten Im bayrischen Wald, der erdgeschichtlich zu den ganz alten Regionen Deutschlands zählt Auf einem kleinen Höhenzug, dem Tillenberg “So, da bin ich Am Mittelpunkt Europas Und nur zehn Meter von der deutsch- tschechischen Grenze entfernt Der Mittelpunkt eines Kontinents lässt sich nicht wirklich genau festlegen

Aber vor 150 Jahren haben österreichische Wissenschaftler gesagt: Da ist er Deswegen haben wir diesen schönen Stein Aber aus einem anderen Grund ist dieser Ort ganz wichtig für Europa Vor 350 Millionen Jahren kollidierten hier nämlich zwei Kontinente Und zum allerersten Mal wurde Europa als Fläche zusammengesetzt Es entstand dabei ein riesiges Gebirge Vielleicht das größte Gebirge, das wir je auf dieser Welt gesehen haben.” Die Überreste dieser Berge findet man heute noch verteilt in ganz Europa Sie sind meist jedoch nicht höher als 1800 Meter “Dennoch sind diese Mittelgebirge einige der schönsten Landschaften, die wir auf unserem Kontinent haben.” Bewaldete Berge, die sich quer durchs Herz des Kontinents ziehen, sind das Vermächtnis des Urgebirges Vom Erzgebirge im Osten bis zum Westen am Rhein liegen in Deutschland Überreste der “Varisziden” Benannt nach einem alten germanischen Stamm Sie sind ein willkommenes Rückzugsgebiet für wilde Tiere in der sonst so dicht besiedelten Umgebung Der Luchs durchstreift heute wieder ungestört einige dieser Wälder, nachdem er fast ausgestorben war * Hirsch-Röhren * Im September versammeln sich auf den Lichtungen die Hirsche zur Brunft Aber der Wald ist viel mehr als nur die Heimat dieser typischen Bewohner Er ist ein lebendes System, ein Organismus, der bis ins Kleinste funktioniert Viele Kreaturen, die wie Mosaikteile ineinandergreifen und ein großes Ganzes bilden Sie alle gehören dazu und schaffen den Lebensraum, den wir als bezaubernden Mittelgebirgswald kennen Es sind wichtige Naturräume in Deutschland und überall in Europa Das Massif Central in Südfrankreich Mit seinen sanft ansteigenden Hängen ist der Mont Caroux ein typischer Berg aus der Zeit des großen europäischen Urgebirges Heute nur etwa 1000 Meter hoch Eine perfekte Heimat für Wildschafe, die Mufflons Auf dem Mont Caroux sieht man die stolzen Tiere häufig Im Tal des Baches Heric sind sie auf Futtersuche Für Wanderer ist das Massif Central ein beliebtes Ausflugsziel Für Colin Devey ein spannendes Untersuchungsfeld Denn hier findet man Hinweise auf die große Vergangenheit der Varisziden “Aber woher wissen wir, dass diese sanfte, hügelige Landschaft früher ein riesiges Gebirge war? Der Fluss hat eine tiefe Schlucht in die Landschaft geschnitten So schauen wir zurück in die Vergangenheit Und die Felsen zeigen uns, wie groß das Gebirge damals war.” Das Wasser hat ganze Arbeit geleistet Mit der beständigen Kraft der reißenden Fluten hat es das Felsmassiv ausgehöhlt Die Schlucht führt kilometerweit in den Berg hinein Diese Felsen bildeten vor 350 Mio. Jahren den Sockel des höchsten Gebirges aller Zeiten “Jetzt sind wir mitten im Berg Den Steinen sieht man förmlich an, welche gewaltigen Kräfte auf sie gewirkt haben Sie haben auf enormen Druck reagiert Und die Minerale haben sich voneinander getrennt und diese Bänderung produziert Auch sehr hohe Temperaturen haben geherrscht Die großen weißen Kristalle sind dadurch entstanden Diese Temperaturen waren sogar so hoch, dass das Gestein angefangen hat, zu schmelzen Das weiße Gestein ist Magma Entstanden bei 800 oder 900 Grad tief hier unten Und rausgepresst ist es nach oben geflossen Das zeigt uns, wie gewaltig dieses Gebirge gewesen sein muss.” Überall sind die Spuren der Magmaströme zu sehen Diese Bereiche mussten früher die Last der Berge tragen Vor 350 Mio. Jahren war es ein wahrhaft gigantisches Gebirge Breiter und höher als der Himalaya heute Es umspannte den halben Erdball und war so mächtig, dass es heute von Südfrankreich bis nach Norwegen reichen würde Eine Zeit voller Gegensätze

In den Tälern jenseits der Berggipfel gibt es ausgedehnte Sumpfwälder Die ersten Landpflanzen findet man hier und große Tiere: Rieseninsekten, Libellen mächtig wie Falken Die Produktivität dieser Wälder ist überaus hoch Im Untergrund entsteht Torf, der sich in Kohle verwandelt Steinkohle, für uns Menschen ein wichtiger Brennstoff Und für lange Zeit Triebfeder der Industrialisierung In Europa verfallen viele alte Zechen oder werden zu Denkmälern So auch in Deutschland Weltweit nimmt die Kohleförderung immer noch zu Man schätzt, dass die Steinkohlevorkommen, die in Millionen von Jahren entstanden sind, noch etwa 100 Jahre ausreichen werden Überall da, wo die Türme des Steinkohlebergbaus stehen, wuchsen einst die Sumpfwälder des Karbon Portugal Hier liegt der westlichste Punkt des europäischen Festlandes Der beständige Wellengang des großen Ozeans hat eine Steilküste geformt Die Küste ist mehr als 150 Millionen Jahre alt Die Arbeit am steilen Hang ist riskant Dafür werden die Wissenschaftler oft mit sensationellen Funden belohnt Octavio Mateus, Chef-Paläontologe, zeigt Colin seine Fundstellen Der Boden steckt voller Dinosaurier-Knochen “Diese Klippen sind aus dem oberen Jura, 152 Millionen Jahre alt Und hier sehen wir den Knochen eines Sauropoden Und in derselben Schicht vier mehr Das heißt, dass hier möglicherweise ein kompletter Sauropode in den Klippen begraben liegt Und schau mal hier. Da kann man den Teil eines Knochens sehen Und den Fußabdruck eines sehr großen Tieres Das war ein wirklich großes Tier – Ja, genau.” Es ist einer der größten Knochen im Körper eines Wirbeltieres Ein Oberschenkelknochen Und das Tier, zu dem der Knochen gehört, ist eines der größten Landlebewesen, das jemals seinen Fuß auf unseren Kontinent gesetzt hat Ein gigantischer Sauropode Sein Lebensraum sind tropische Küstenlandschaften Die gibt es damals fast überall auf der Erde Die Temperaturen sind weltweit höher als heute Ähnlich wie heutige Elefanten haben Sauropoden große, massive Säulenbeine Die direkt unter dem Körper stehen, um das enorme Gewicht zu tragen Über 35 Tonnen schwer und 30 Meter lang Um ihren Nachwuchs kümmern sich die Riesen nicht Sie verstecken ihre Eier im losen Sand am Meeresufer Die Jungen bleiben sich selbst überlassen Eine riskante Strategie, denn hier sind auch Räuber unterwegs So wie dieser Allosaurus europaeus Mit acht Metern Körperlänge eines der größten Raubtiere jener Zeit Es ist die “Hochzeit” der Saurier, der größten Landlebewesen aller Zeiten Die Dinos sollen für über 170 Millionen Jahre die Erde beherrschen Ein extrem langer Zeitraum, in dem sich ihre Welt und unser Kontinent stark veränderten “Was Octavio und sein Team in diesen Klippen finden ist faszinierend Das Erstaunliche daran ist aber, was sie da drüben finden in Amerika Tausende Kilometer von hier entfernt finden sie genau die gleichen Dinosaurier Die Dinosauriergruppen sind so ähnlich, das könnten fast Geschwister sein Wie kommt das denn zustande? Die Antwort darauf liegt mitten im Atlantik da draußen.” Über 5000 Kilometer sind die europäische und die amerikanische Küste voneinander entfernt Dazwischen ein gigantischer Ozean Und mitten in der endlosen Weite gibt es Leben Ein Pottwal, der größte Zahnwal der Erde Dieses Weibchen ist mit seinem Jungen unterwegs Fast drei Jahre muss das Jungtier von der Mutter gesäugt werden

Offensichtlich findet sie hier im freien Ozean ausreichend Nahrung Und es gibt noch andere Tiere, die ihnen Gesellschaft leisten Mantarochen tauchen auf Sie ernähren sich von Plankton, winzigen Kleinlebewesen, die man mit bloßem Auge nur schwer erkennen kann Und mit ihnen kommen viele andere Fische, die vom hohen Nährstoffgehalt dieser Meeresregion angelockt werden Doch was ist die Ursache für diesen geheimnisvollen Treffpunkt? Mitten in der Weite des Ozeans? Es sind Felsen, die vom Meeresgrund emporragen: “Seeberge” Hier werden Nährstoffe aus der Tiefe nach oben gespült Deshalb sind die Gewässer äußerst artenreich Vom mikroskopischen Plankton bis zu einer Vielzahl von Fischen Ein Paradies, und Colin Devey ist mittendrin Auch für den erfahrenen Forscher ist das ein besonderes Erlebnis “Das ist unglaublich, wie viele Tiere hier rumschwimmen Die Strömung ist ziemlich stark Ich muss mich gut festhalten Das ist ein Hotspot der Artenvielfalt Das alles hat was mit dem Untergrund zu tun, mit den Felsen Das lockt die Tiere an Mann, ist das schön!” Höhlen bieten vielen Meerestieren zusätzlich Schutz und Zuflucht Aber wie sind diese Felsen entstanden? “So, ich hab mir die Wände aus der Nähe angeschaut Die bestehen gänzlich aus Basalt-Lava Ich bin nämlich in einem Lavatunnel Tief unter mir ist vulkanische Aktivität Daraus ist der Berg entstanden Das ist wirklich interessant Ich schau mich noch ein bisschen mehr um.” Die noch verbleibende Zeit Unterwasser nutzt Colin, um die Felswände außerhalb der Höhle zu erkunden Das ganze Gebiet ist tatsächlich sehr groß Erst aus einiger Entfernung lässt sich die Position des Forschers einordnen Die Felswand ist nur ein kleiner Punkt an der Spitze eines Berges Die Bergspitze wiederum ist nur ein Teil eines Massivs Teil einer ganzen Gebirgskette Der längsten Gebirgskette der Erde Der Mittelatlantische Rücken durchzieht auf einer Länge von 20.000 Kilometern den Atlantik Doch nicht alle Gipfel enden unter Wasser Einige durchstoßen die Wasseroberfläche Und einige erheben sich zu richtig großen Inseln Die höchsten Bergspitzen dieses unterseeischen Gebirges sind uns gut bekannt: Es sind die Azoren Die Inselgruppe liegt dort, wo die europäische und die nordamerikanische Platte mitten im Ozean aufeinanderstoßen Und markiert so die Westgrenze des europäischen Kontinents Die höchste Erhebung ragt mehr als 2000 Meter aus dem Ozean: Die Spitze der Insel Pico Es ist ein Vulkan mit einem markanten Krater Hier oben ist die Vegetation eher spärlich Der weitaufragende Berg macht Pico einzigartig unter den Azoren Das andere Extrem: Santa Maria, 300 km weiter im Osten Die Insel ist weniger schroff mit weiten Flächen und sanften Erhebungen So unterschiedlich diese Inseln auch sind, haben sie doch einen gemeinsame Ursprung Die Steine, die man hier findet, zeugen davon “Basalt-Lava Solche Stücke gibt es überall hier auf den Azoreninseln, weil die alle vulkanischen Ursprungs sind Dennoch sehen sie ganz unterschiedlich aus Grund für diese Unterschiede sind unterschiedliche Alter Und Alter spielt im Atlantik eine ganz wesentliche Rolle Das schauen wir uns im Detail an Das ist der Meeresboden des heutigen Atlantiks Jetzt lassen wir die Zeit zurücklaufen Bis vor 240 Mio. Jahren Da sind Europa und Amerika Teil eines Super-Kontinents: Pangäa

Jetzt läuft die Zeit nach vorne Und vor 220 Mio. Jahren entsteht eine kleine Wasserstraße mitten in diesem Superkontinent Das ist die Geburtsstunde des Atlantiks Ab da geht es unaufhaltsam weiter Europa und Amerika entfernen sich voneinander Der Atlantik wächst Vor acht Mio. Jahren erscheint ein kleiner Fleck mitten im Ozean Das ist Santa Maria Die anderen Inseln erscheinen nach und nach Und da, vor 300.000 Jahren erscheint Pico Das ist der Grund für ihr unterschiedliches Aussehen Pico und Santa Maria sind sieben Mio. Jahre auseinander Jedes Stück des Atlantikbodens hat sein ganz eigenes Alter.” Wie der gesamte Atlantik sind die Azoren am Mittelatlantischen Rücken entstanden Die junge Insel Pico ebenso wie die älteste Azoreninsel Santa Maria Deren Berge durch Jahrmillionen der Erosion bereits abgetragen sind So entsteht am Mittelatlantischen Rücken auch heute noch neuer Meeresboden * Musik * Die Westküste Portugals wurde bereits vor 220 Mio. Jahren von Amerika getrennt Seitdem wächst die Distanz zwischen den Kontinenten einige Zentimeter pro Jahr Der große Raubsaurier Allosaurus lebte in Portugal vor 152 Mio. Jahren Damals sahen sich die Dinosaurier auf beiden Seiten des Atlantiks sehr ähnlich Wie alte Verwandte Ein Hinweis darauf, dass Europa und Nordamerika für lange Zeit miteinander verbunden waren So hat der Atlantik einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des europäischen Kontinents Auch nach der Entstehung des großen Ozeans verändert sich Europa Bei weltweit steigenden Temperaturen liegt der Kontinent zu großen Teilen unter Wasser Eine Inselwelt Ihre Ausdehnung von Westen nach Osten entspricht allerdings schon damals in etwa der heutigen Entfernung von Portugal bis zum Ural Colin Devey hat einen Plan: Europa einmal vom Südwesten bis zur östlichen Grenze durchwandern Für einen Geologen eine spannende Reise durch Zeit und Natur Im Süden Spaniens durchquert er die Wüste Tabernas bis an die Ufer des Mittelmeers Nach Norden bis zur Mündung der Rhône Von hier aus durch Südfrankreich und die Schweiz Dann ins Alpenvorland Vorbei an den schroff aufsteigenden Bergen Es folgen die ausgedehnten Waldgebiete der Mittelgebirge, wo es nach der Hälfte der Strecke bereits Winter wird In Polen entlang der masurischen Seenplatte Jetzt geht es nur noch Richtung Osten Eine gewaltige Strecke durch die Wälder der osteuropäischen Ebene Nach fast 7000 Kilometern erreicht Colin Jekaterinburg Der Ort gilt als Grenzstadt zwischen Europa und Asien In den Straßen wird das spürbar Eine gigantische Säule steht etwas außerhalb der Stadt Das ist der Punkt, den Colin sucht “Eins vorneweg. Ich bin nicht die ganze Strecke durchgelaufen Auch wenn ich relativ lang unterwegs war Unser Kontinent ist doch recht groß Am Ende dieser Wanderung durch die schöne bewaldete Ebene kommt man dann zu der Säule Die ist echt eine Seltenheit Das ist ein geologisches Monument Und davon gibt es nicht sehr viele auf unserem Planeten Im 19. Jahrhundert hat der Zar mehrere westeuropäische Geologen hier in dem Gebiet nach Bodenschätzen suchen lassen Und sie haben überall in diesem Gebiet die gleiche Bodenbeschaffenheit vorgefunden, wie sie aus ihrer Heimat kannten Bis zu diesem Punkt Und deswegen haben sie 1837 diese Säule errichten lassen Hier ist nämlich eine Grenze von kontinentalem Ausmaß Aber um diese Grenze wahrzunehmen brauchen wir etwas mehr Überblick.” Denn der Übergang von Europa nach Asien ist von enormer Ausdehnung Es ist das Uralgebirge

Weit oben im Norden wird ein Gebirgsrelief erkennbar Es hat bereits eine lange Geschichte hinter sich Ein Blick zurück in die Vergangenheit: Ein Ozean prägt vor 500 Mio. Jahren diesen Teil der Welt Sibirien ist damals eine Insel Das Uralgebirge entsteht zur gleichen Zeit wie die Mittelgebirge in Europa Es bildet die Naht zwischen Russland und Sibirien Und ist bis zum heutigen Tag erhalten geblieben Es ist nicht besonders hoch, aber von Norden nach Süden fast 2400 Kilometer lang Colin hat sich mit seiner Crew absetzen lassen Er ist auf der Suche nach einer berühmten Felsformation Mitten auf einem Hochplateau im Nord-Ural Es pfeift ein kalter Wind Und eine meterhohe Schneedecke erschwert das Vorankommen Das Ziel rechtfertigt den Aufwand Sie gelten als eines der sieben Wunder Russlands: Die Felssäulen von Man-Pupu-Njor Sie wachen über die endlosen Weiten des Nord-Ural Die Einheimischen erzählen sich Legenden von den großen Felsfiguren Bedrohliche Riesen sollen es gewesen sein, die zu Stein erstarrten Das Klima in dieser Gegend ist extrem und gefährlich Das Wetter schlägt um In nur wenigen Augenblicken zieht ein Schneesturm auf Und Colin Devey ist mittendrin Im späten Winter sind solche plötzlichen Wetteränderungen nicht ungewöhnlich Mit Mühe erreicht Colin sein Ziel Und findet Schutz im Windschatten der gigantischen Säulen “Wieso diese Steine dem ganzen Wind und Wetter trotzen können ist ein Rätsel Und als Wissenschaftler muss ich natürlich Rätseln nachgehen Der meiste Stein ist mit diesem Schneepuder total überzogen Es gibt ein paar Stellen, wo die Steine rausgucken Wenn man das ein bisschen frei kratzt und die Steine anguckt Dann sieht man, das sind extrem kompakte Gesteine Die bestehen fast ausschließlich aus Quarz, ein sehr hartes Mineral Und diese Kompaktheit lässt kein Wasser, keinen Frost da rein Vermutlich deswegen hat dieser Stein den Elementen so lange getrotzt Wie lang genau kann ich nicht sagen Das sind vielleicht Jahrmillionen.” Es macht die Steine zu stummen Zeugen der Vergangenheit Sie stehen am Rande der größten zusammenhängenden Urwaldgebiete Europas, den Wäldern der Republik Komi Hier leben große Säugetiere, wie es sie bei uns in Mitteleuropa kaum noch gibt Für Elche ist der Winter eine harte Zeit Obwohl ihnen die tiefen Temperaturen nichts anhaben können Futter ist Mangelware, nur zähe Rinde und ein paar alte Triebe Das reicht kaum Und so verlieren die mächtigen Tiere einiges an Gewicht Auch Wölfe sind hier unterwegs Jetzt im Winter müssen sie riesige Gebiete durchstreifen, um Beute zu machen * Wolfsheulen * Nahrung gibt es oft nur unter einer meterdicken Schneedecke Der Fuchs nimmt, was er findet Der Winter ist hart für diese Tiere Doch haben sie alle Strategien entwickelt, mit denen sie die Zeit überstehen In dieser extremen Region, die früher einmal ganz andere Bedingungen kannte Vor 65 Mio. Jahren sind die Temperaturen höher als heute Es ist angenehm warm in den Sumpfwäldern des Ural Zu dieser Zeit beginnt auch die Entstehungsgeschichte der Säulen von Man-Pupu-Njor Wandel kündigt sich an Blütenpflanzen gibt es schon seit längerer Zeit Jetzt gehen sie eine Partnerschaft ein, die Bestand hat Bienen helfen bei der Bestäubung und Ausbreitung Und werden mit Nahrung belohnt Noch immer wird die Welt vor allem von einer Tiergruppe dominiert:

Den Sauriern Und in den Wäldern gibt es noch viele urtümliche Pflanzen Moose und Farne, aber auch gigantische Nadelbäume: Koniferen Die Wälder sind üppig grün das ganze Jahr über Mit vielen langsam wachsenden Pflanzen, die ihre Blätter nicht abwerfen Ein undurchdringliches Dickicht Versteckt dazwischen ein kleiner Nager: Multituberculata Er hat viele Gemeinsamkeiten mit heutigen Säugern: Ein differenziertes Gebiss zum Verarbeiten der Nahrung Vorderpfoten zum Greifen, ein Fell Und die Fähigkeit zur Regulation der Körpertemperatur Eigenschaften, die helfen Es kommen weittragende Veränderungen Und der Wandel kommt schnell Nach einer globalen Katastrophe fallen weltweit die Temperaturen Das Klima ändert sich rapide Überleben können nur diejenigen, die mit den neuen Bedingungen zurechtkommen Samenpflanzen und Säugetiere gehen gestärkt aus der Krise hervor Beide scheinen wie dafür gemacht, schlechte Zeiten zu überstehen Für viele Säugetiere sind die Wälder des Ural heute ein Rückzugsgebiet Wo die Säulen stehen, deren Geschichte in den warmen Wäldern der Kreidezeit begann * Musik * Colin Devey hat seine Expedition zu den Steinen von Man-Pupu-Njor beendet Zeit für den Heimweg “Wir haben jetzt viel von unserem Kontinent schon gesehen Vom äußeren Nordwesten bis hier, wo Europa direkt an Asien grenzt Der Kontinent ist halt riesig Und hat viele faszinierende Dinge zu entdecken Es lohnt sich, immer rauszugehen und genau hinzuschauen Für mich geht morgen die Reise zurück nach Deutschland Aber heute Abend werde ich ganz gemütlich verbringen mit meinen neuen russischen Freunden vor dem Holzofen In dieser schönen kuscheligen Hütte Bis zum nächsten Mal.” Untertitel im Auftrag des ZDF, 2019