Alt werden auf dem Land – Hier bleib' ich bis zuletzt | MDR DOK

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Alt werden auf dem Land – Hier bleib' ich bis zuletzt | MDR DOK

* ruhige Gitarrenmusik * Also, da denke ich ehrlich nicht viel drüber nach Das ist so, wie es ist Direkt Schwierigkeiten, mit meinem Alter umzugehen, habe ich nicht Zwei Frauen, die sich bewusst entschieden haben: Sie wollen bleiben, bis zuletzt Ich bin auf dem Land aufgewachsen und diese Stille gibt einem sehr viel Mut und Kraft Aber sobald ich krank bin, nur eine Grippe habe, fühlt man sich hier verlassen Was bedeutet es, auf dem Land alt zu werden? Kann das im hohen Alter klappen? Wenn man Jahrzehnte da gelebt hat in dem Ort, wieso soll man dann für die letzten drei, vier Jahre woanders hingehen? So Komm Leonore Pengel wohnt ihr Leben lang in Schernikau in Sachsen-Anhalt Hier hat sie geheiratet, ihre Kinder bekommen Wegziehen kommt nicht in Frage Doch ohne Hilfe geht es auch nicht Meine Tochter kam 2011, solange hat sie in Thüringen gewohnt, und machte mir den Vorschlag, zu mir zu ziehen Da habe ich erstmal tief Luft geholt, so überrascht war ich von dem Vorschlag Da hatte ich noch gar nicht drüber nachgedacht, dass ich nicht immer alleine bleiben kann Die 91-Jährige kann kaum noch sehen Ohne den Rollator geht nichts mehr Für sie kein Grund, ihre Eigenständigkeit aufzugeben Ich wäre noch in der Lage gewesen, mich mit Neuem zu arrangieren Aber ich habe sicher nicht danach gesucht Neulich sagte ich, ich bin bewusst provokant, und da hast du gesagt, das ist gut, kann ich mich gut erinnern Also, du musst provoziert werden. -Ja Und das fehlt dir -Das fehlt mir, ja Nach der Scheidung und als die Kinder aus dem Haus waren, zog Tochter Kirsten zu ihrer Mutter zurück – nach 30 Jahren Ich wusste immer, und mein Vater hat mir das auch gesagt, dass er Angst hat um meine Mutter Das war für mich auch ein Grund darüber nachzudenken, was wird, wenn deine Mutter alt ist und sie kann nicht mehr alleine Dann ist irgendwann diese Entscheidung gefallen, ich komm wieder hierher, meine Mutter ist mir lieb und wichtig * barocke Spinett-Musik * 19 km entfernt, in Vienau, lebt Ingeborg von Kalben In einem denkmalgeschützten Haus, umgeben von einem großen Garten Hier wohnte sie über 50 Jahre gemeinsam mit ihrem Mann Mein Mann ist vor 5 Jahren gestorben Dann wurde mein Leben natürlich schwieriger Ich fahre nicht Auto, ich habe zwar einen Führerschein, aber ich bin so lange nicht Auto gefahren, dass ich es nicht mehr kann Daher gibt es schon Schwierigkeiten, zu den Ärzten zu kommen oder einzukaufen Aber ich habe zwei sehr liebe Nachbarn, die immer wieder kommen Eine von ihnen ist Elvira Leefsenring Sie hilft der 92-Jährigen, das Anwesen zu pflegen Ich mache ihre Wäsche, hänge sie auf und sauge ein bisschen, erzähle ein bisschen und bin hier draußen so ein bisschen Das ist selbstverständlich Meine Mutter war auch sehr krank, da bin ich auch jede Woche gefahren, geholfen und gemacht, wer weiß, wie es uns mal geht Also, ein Vergnügen ist das Alter nicht Ich habe eine Freundin, die sich immer sehr vornehm ausgedrückt hat, sie war auch sehr vornehm Später war es so, wenn ich die Tür aufmachte, rief sie mir schon entgegen: Ingeborg, das Alter ist scheiße Da ist auch was dran, also Altwerden ist durch die zunehmenden Gebrechen kein Vergnügen Einmal im Monat kommt die Friseurin Regina Bonin aus der Stadt Kalbe Guten Tag, Frau von Kalben -Guten Tag, Frau Bonin

Was wollen wir heute machen? -Waschen und Föhnen Ist so gut, die Temperatur? -Ja Schön warm, das ist gut, weil ich Kopfschmerzen habe Ich habe mir bei der Narkose den Kopf verdreht, dadurch ist die Kopfhaut empfindlich Auf ein gepflegtes Äußeres legt sie viel Wert Dass die Friseurin ins Haus kommt, ist eine große Erleichterung Dann braucht man nicht so lange ansitzen, wenn man alt ist, warten, bis der nächste Man muss beim Friseur im Geschäft immer etwas sitzen Ist ja nicht auf die Minute immer Hier ist das dann ruckizucki alles erledigt Irgendwann schaffen sie nicht mehr den Weg De haben keinen Fahrer oder der Mann ist weggestorben, und dann schaffen sie nicht mehr den Weg ins Geschäft Dann fährt man halt eben nach Hause zu den Kunden Man möchte sie auch nicht verlieren Flexibilität ist auf dem Land gefragt Auch der Bäcker kommt zweimal in der Woche zu ihr Rollende Versorgung, auf die sie angewiesen ist Die Kinder wollten, dass ich das selbst entscheide, ob ich zu meinen Kindern gehe Dann bin ich erstmal alleine zurechtgekommen mit Hilfskräften Es gibt ja auch noch die Möglichkeit mit Sozialstationen, dass jemand kommt Das Problem ist nur nachts, dass man nachts hier keine Hilfe hat Ich habe aber hier von den Johannitern einen Knopf, einen Notrufknopf, dann wird angerufen Zuerst bei meinen Kindern in Hamburg und die rufen dann hier an, sie kennen dann hier meine Nachbarn, die gucken dann nach, was mit mir los ist und wenn ich dann hier liege, mir was gebrochen habe, dann würde mich der Notarzt ins Krankenhaus bringen Leonore Pengel hat zu Kaffee und Kuchen eingeladen Was hast du gesagt, welche Tischdecke? Eine bügelfreie weiße muss links oben auf dem Stapel liegen Hier oben drauf liegt erstmal eine von Oma mit EP. -Nee Guck mal, die ist aber auch schön Jaja, die ist ja bloß viereckig Das ist eine Serviette Mutter und Tochter mussten erst wieder lernen zusammenzuwohnen Ganz alleine bewältig Kirsten die Versorgung der Mutter nicht: Morgens kommt ein Pflegedienst und hilft der 91-Jährigen beim Waschen und Anziehen Pfarrer Dietrich Eichenberg ist auf dem Weg zu Leonore Pengel Vor einem Jahr kam er zurück aufs Land Der 31-Jährige hat sich bewusst für seine Heimat entschieden Nicht nur wegen des Pfarrermangels Das ist auch so ein aussterbender Ort hier Die Altmark gehört zu den einsamsten Gegenden in Deutschland Viele Menschen wandern ab: Die Jungen gehen, die Alten bleiben Bei Leonore Pengel, wir reden halt immer mal Platt miteinander Da freut sie sich, dass sie nicht nur mit ihrer Tochter platt reden kann, sondern auch mit jemand anders (auf platt) Ich dachte, ich komm dich mal besuchen Darf ich Sie Dietrich, mit Vornamen, ansprechen? Genau, machen wir Hatten wir schon beim letzten Mal Kurze Umarmung machen wir auch -Ja, okay Wollen wir uns draußen hinsetzen? Och ne, das wird zu warm So, ich hab uns einen Kaffee gekocht. -Ach schön Möchtest du auch einen Kaffee, Mutti? Ja, so halb voll, möchte ich sagen Das ist aber eine lustige Tasse Ja, ich habe die extra ausgesucht Das sind noch Sammeltassen aus DDR-Zeiten. -Wie schön Zu Dietrich Eichenbergs Gemeinde gehören 22 Dörfer Besonders die Älteren wollen mit ihm reden, Kaffee trinken, ihre Nöte los werden, für jeden hat er ein offenes Ohr Bei Dietrich hab ich das Gefühl, ich kann die zwei alleine lassen, kann mich um meine Sachen kümmern, da ist sie gut aufgehoben Ich weiß, dass die beiden was davon haben Ich höre mir die Geschichten gerne an, wahnsinnig gern Auch die ganzen Zusammenhänge, diese ganzen kleinen Sachen Das macht einfach Spaß, sich mit ihr so zu unterhalten, weil sie so wach ist Ich habe neulich beim Aufräumen zwei Gedichte von meiner Oma gefunden und habe dabei an dich gedacht Gott, du weißt besser als ich,

dass ich alt werde und eines Tages alt bin Hindere mich geschwätzig zu werden und rette mich vor dem Wahn, dass ich mich bei jeder Gelegenheit über alles äußern müsse Versiegele meine Lippen, wenn es eigene Gebrechen betrifft Ihrer werden immer mehr und das Verlangen, darüber zu sprechen, wird jedes Jahr größer Mach mich sanftmütig, heilig möchte ich nicht werden Das ist ja schön Er ist so unkompliziert (lachen) Ich hab ihn mal zum Abschied am Arm gefasst, am liebsten hätte ich gesagt, bist ein schöner Junge So ungefähr hätte ich am liebsten gesagt, aber da hat mich der Respekt gehindert Pfarrer Eichenberg ist Seelsorger mit Leib und Seele Es ist ihm wichtig, sich persönlich um seine Gemeindemitglieder zu kümmern Auch, wenn das viel Zeit in Anspruch nimmt * Piepen * Es gibt so Besuche, da komme ich nicht weg Weil die Leute viel Redebedarf haben und dann entsteht dieses Gefühl, ich muss eigentlich weg, aber ich komme nicht dazwischen, aber ich will sie auch nicht abhacken und sagen, so, ich muss jetzt los Also man muss irgendwie eine Kurve finden am Ende und das Gefühl nicht in den nächsten Besuch nehmen, weil dann bin ich leer Das macht es schwierig, noch die anderen Aufgaben zu bewältigen Er hat sich auf dem Land wieder eingelebt und hilft, wo er kann Jetzt hat er sich selber gefangen Ich habe einen Hahn gefangen, weil wir hatten 15 Küken Es sind halt zu viele, und die Hähne werden auch mal geschlachtet Die eine aus dem Ort sagte, sie braucht einen Hahn, weil der Fuchs ihr alle Hühner weggefressen hat Jetzt ist er hier drin und ich bringe ihn rüber Hallo, hier ist er Der ist auch zum Teil, ich weiß nicht, ob das einer ist Ich hatte ihn beschnitten, aber das hat nicht wirklich viel gebracht Oh, das ist aber ein hübscher Hahn Joa, dann viel Spaß Der Friedhof in Schernikau Hier musste Leonore Pengel vor acht Jahren ihren Mann zu Grabe tragen Wir waren 5 Jahre im Alter auseinander und haben uns beim Tanzen kennengelernt Mein Mann hat mir später erzählt, ihm hätten meine Augen so gefallen Die Besuche auf dem Friedhof sind für sie wichtig Sie sind zu einem Ritual geworden Hier liegt auch ihr Sohn begraben Das Grab nicht mehr selbst pflegen zu können, macht ihr zu schaffen Schlimm, dass meine Tochter alle Arbeit hat Auf dem Friedhof hier ist mir das auch besonders schwergefallen Verantwortung abzugeben, nech Im vorigen Jahr bin ich noch mit Rollator geschoben, das Wasser ist ja da am Eingang und hab ein bisschen gegossen mit der Gießkanne, das habe ich noch gemacht Hier hab ich ein Buntblatt reingepflanzt, Mutti. -Hm? Hier habe ich ein Buntblatt eingepflanzt. -Ein? Ein Buntblatt. -Aha Der Tod gehört zum Leben (atmet schwer) Ich glaube, dass ich leichter damit umgehen kann, als meine Familie weiß Über ihren eigenen Tod denkt Leonore Pengel pragmatisch Doch der Verlust ihres Mannes tut ihr immer noch sehr weh Als wir ihn das erste Mal im Krankenhaus besuchten, sagte er zu mir, ich habe Krebs Und dann sagte ich, nu immer langsam Er war dann schon tot, als das Krankenhaus anrief, und wir sind dann auch gleich hingefahren und seine Hände waren noch warm und ich habe gesagt zu ihm, du warst immer so stark

Und ich möchte in dir weiterleben Das waren meine Worte Abschied nehmen ist schwer Auch der Abschied von liebgewordenen Gewohnheiten Ich habe mir das alles schlimmer vorgestellt Ich habe z.B immer sehr gerne getanzt früher und habe mir das als schrecklich vorgestellt, wenn ich eines Tages nicht mehr tanzen kann, nur zugucken, wenn die Jugend da tanzt Aber dann ist es in der Praxis so, was man nachher nicht mehr kann, das will man auch nicht mehr so, man hat nicht mehr die Lust Daher hoffe ich, dass das nachher mit dem Tod genau so ist, dass, wenn das Leben einem nicht mehr so Freude macht, dann vielleicht gerne einschläft, man dann vielleicht auch Lust hat, dass man dann lebenssatt ist Ich weiß nicht, ich hoffe es Ach, hallo. -Tach Guten Tag, ist Frau von Kalben da? Ja, sie ist da Dann gucke ich mal rein, was? -Jawoll. -Sie machen ja schön Ich bin gleich fertig, meine Zeit ist gleich um. -Na jut Hier ist ja schon offen Bei dem Wetter Hallo, Frau von Kalben? Guten Tag Ingeborg von Kalben ist geistig fit, doch körperlich schwach Seit einer schweren Knieoperationen kann sie kaum gehen, leidet oft an Migräne Pfarrer Eichenberg versucht, sie zweimal im Monat zu besuchen Das Altwerden merkt man natürlich auch bei ihr körperlich, dass es schwierig ist Auch heute merkt man es wieder, auch wenn man es im Sitzen nicht so sieht Das ist ein Andachtsbuch oder wie? Ja, als ich dachte, oha, die letzten Tage, jetzt ist es vielleicht zu Ende mit mir Das Alter habe ich ja Da habe ich am 14. Juli gelesen, vor Jahren habe ich für meine Beerdigung eingetragen, Psalm 73 Das passte also auch genau: Von meiner Kindheit an habe ich mich auf dich verlassen usw Und dann kommt: Lass mich nicht fallen in meinem Alter Das beschäftigt Sie ja schon, das Thema Sterben? Ja, das finde ich auch wichtig, dass man sich damit beschäftigt Da muss man viele Sachen klären Ich glaube, man muss viel drüber reden Man muss seinen Angehörigen und den Leuten, die dann am Ende die Bestattung organisieren, sagen, was man will Nicht dass es passiert Das ist interessant, dass Sie das sagen Da bin ich nämlich unschlüssig Ich habe so viele Gedanken und Wünsche, auch um sie zu trösten, weil ich weiß, dass einige sehr schwer damit fertig werden, wenn ich gestorben bin, aber anderseits denke ich, ich darf denen das vielleicht nicht wegnehmen Sie will neben ihrem Mann beerdigt werden Ihr Glaube an ein Leben nach dem Tod gibt Ingeborg von Kalben Kraft Ich hoffe, dass es ihr hilft, was ich sage, was wir besprechen, und wünsche mir eigentlich, dass es ihr was bringt Ich hoffe, einfach einen Anstoß geben zu können, dass sie weiter nachdenken kann, über das, was sie beschäftigt, dass sie da ihren eigenen Weg findet, der für sie richtig ist So, noch eine runter, komm Und jetzt gehst du mit deinem Po langsam, ich halte dich, so, prima Bisschen hart, aber gut Sie macht mir manchmal zum Vorwurf, dass ich mich vom alltäglichen Leben zu sehr entferne, also einfach auch aus Mangel an Kontakten zu anderen Menschen Es gibt noch einen 91-Jährigen hier in Schernikau Mit dem habe ich früher oft auf der Bank gesessen Aber jetzt ist er auch nicht mehr so viel draußen Das Gespräch mit dem vermisse ich ehrlich ein bisschen So, warte. Ich helfe dir erst hoch Immer langsam Komm mal her, halt dich fest, hauruck So, warte, meine Sachen hole ich anschließend Heute ist Gottesdienst in Fleetmark Die Kirche ist nur 5 km entfernt Doch Ausflüge wie diese sind selten Der Weg ist für Leonore Pengel zu beschwerlich

So wie Leonore Pengel geht es vielen in der Gegend Mehr als die Hälfte von Pfarrer Eichenbergs Gemeindemitgliedern sind über 65 Jahre alt Alle hoffen, zu Hause alt werden zu können Alte Bäume verpflanzt man nicht mehr Das ist oft das, was man sieht, wenn alte Leute ins Heim gehen, dass die da nicht wirklich mehr Wurzeln schlagen können Das ist eben bei vielen alten Leuten hier der Fall Wenn sie nicht gezwungen sind zu gehen, weil es gar nicht mehr geht, dann bleiben sie hier Um alte Bäume geht es hier nicht Tannenbaumschlagen im Juni Willst du meine Handschuhe? -Nee. Das geht Also sägen tut sie Weihnachten hat sie noch gesägt Nee, das is jut so Ich hab nur einen kleinen Ständer Das passt schon Wir haben heute Abend ein kleines Projekt, zum ersten Mal hier Wir sind ja noch nicht so lange hier, eine Johannisandacht, also eine Andacht zum Johannistag, der war ja gestern Der Johannistag ist sechs Monate vor Weihnachten und deshalb stellen wir einen Weihnachtsbaum auf Weihnachtszauber mitten im Sommer, das sorgt für Aufmerksamkeit Ich bin jung, ich bin nicht 60, ich finde ganz andere Wege als die Pfarrer, die irgendwie vor zig Jahren ihre Ausbildung gemacht haben Das ist aber auch richtig so, glaube ich, weil wir arbeiten zwar viel mit Alten, aber wir müssen auch gucken, dass wir die Jungen nicht verlieren als Kirche Gerade die Älteren, die sich der Kirche verbunden fühlen, sagen: Macht nicht so viel für uns, macht was für die Jungen Ingeborg von Kalben bekommt Besuch Guten Morgen. Hier ist Spinat mit Kartoffeln und Eier Das ist fertig, aber die Eier musst du natürlich noch braten Na du. -Lieben Dank Konntest du schlafen ein bisschen überhaupt? Ja, ich habe auch geschlafen Claudia Krügel hat Ingeborgs Ehemann gepflegt Daher sind die Frauen eng miteinander vertraut Wenn man keine Kinder hat oder gute Bekannte oder Nachbarn, hier geht ja viel über Nachbarn, die Kinder sind meistens aus dem Haus durch die Arbeit Hier ist ja keine Arbeit in der Nähe, dann ist es schon schwierig, dann ist man schon sehr auf Nachbarn angewiesen oder gute Freunde Es kommt zwar ein Bäckerwagen und sowas alles, aber das ist ja nicht dasselbe Man braucht ja auch jemanden zum Reden, mal was anderes, irgendwie raus, das ist schwierig für alte Menschen, wenn man nicht irgendwie hier jemanden hat Man ist hier ein bisschen mehr angewiesen als in der Stadt So, ich fahre jetzt hier entlang -Ich folge dir Ingeborg von Kalben kann das Leben hier allein nicht mehr bewältigen Wenn sie die beiden Nachbarinnen nicht hätte, müsste sie das Haus verlassen Die Schere ist so stumpf, du kannst das nicht alles ohne Handschuhe machen, weil jetzt auch die Brennnesseln und alles Wir wäre es hier mit ein paar Himbeeren? Ob wir hier Himbeeren finden, zum Naschen Die sind hellrot -Guck mal, ob die für uns beide Die müssen aber noch ein bisschen Ich mache dann meine Runde mit dem Papamobil und dann freue ich mich über alles, was neu aufgeblüht ist Besonders freue ich mich auch über die, die nicht gepflanzt sind Nach dem Mähen sieht es erstmal traurig aus, aber am nächsten Tag schon sind die Gänseblümchen wieder da, der Klee, und das finde ich wunderbar Das Haus, der Garten und die Erinnerungen an ihren Ehemann geben Ingeborg von Kalben Mut und Lebensfreude Es fällt mir sehr schwer, der Gedanke, hier womöglich weg zu müssen, das gebe ich zu, ja Daran merke ich, dass ich hier lieber alt werden möchte Soll ich mal Tempo geben? Nicht, dass du denkst, ich kann kein Tempo mehr fahren Ja, jetzt läutet es Die haben jetzt eine Läute-Ordnung in Fleetmark. -Aha So, jetzt müssen wir mal im rechten Winkel hier rum, damit du hier auf die Bordsteinkante hochkommst Warte mal, lass mich dir helfen Sehr schön, langsam * Kirchenglocke läutet *

Leonore Pengel kann nur noch selten in die Kirche gehen Zudem feiert Pfarrer Eichenberg nur einmal alle paar Wochen den Gottesdienst in Fleetmark Schließlich muss er abwechselnd in allen der 22 Dörfer präsent sein, die zu seiner Gemeinde gehören Schön, dass ihr da seid Viel Spaß. -Ja, danke * Bläser spielen Kirchenlied * Wir feiern heute Andacht, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen Schön, dass ihr da seid Wie kommt man darauf, heute einen Baum hinzustellen? Gestern hatten wir Johannistag, den 24. Juni Wenn ich die Leute kenne, dann weiß ich, was ich sagen kann in der Predigt Es ist nicht so, ich schreibe eine Botschaft runter, überlege mir vorher ganz abstrakt, wie eine Gemeinde sein könnte, so wie im Studium, wenn man keine Gemeinde hat, die man kennt Aber wenn man richtig Ortspfarrer ist, dann ist das anders, weil man eben die Leute kennt und weiß, was beutetet das jetzt in dessen Situation Vater unser im Himmel Pfarrer Dietrich Eichenberg versucht Tradition und Moderne, Alt und Jung, zusammenzubringen, und das gefällt Auch Leonore Pengel hat sich mit der Situation, von ihrer Tochter unterstützt zu werden, versöhnt Sie hat akzeptiert, dass es alleine nicht mehr geht, und sie so nun wieder unter Leute kommt Dass sie hergekommen ist, finde ich toll, weil das so schwierig ist und sie nicht mal in Schernikau zum Gottesdienst kommt, weil es wirklich aufwendig ist Sonst komme ich immer hin und jetzt ist sie mal gekommen und hat sich das auch mal angeguckt Bis ins hohe Alter integriert zu sein, teilnehmen können – ein Geschenk Ich kenne zwar weniger Leute als Kirsten, aber einfach unter Menschen zu sein und in der Kirche mit den Kindern, ist ja total niedlich, die Kleinen Die werden auch im Musikalischen mit einbezogen Ja, das ist doch was Schönes Und so locker mit dem Gottesdienst groß zu werden, so was haben wir Alten ja nicht kennengelernt Alt werden auf dem Land ist möglich, solange es ein funktionierendes Netzwerk gibt Von der Gemeinschaft profitieren nicht nur die Alten Tropische Nächte und Sie wohnen in Fleetmark? -In Vienau Denen geht es gut, solange sie Leute haben, die sie am sozialen Leben teilhaben lassen, die sie durch die Gegend fahren, zu Ärzten fahren Solange die alltäglichen Dinge des Bedarf funktionieren, also dass ein Bäcker oder ein Fleischer vorbeikommt Vorhin fuhr hier ein Leiterwagen vorbei, sodass man Leitern kaufen kann Das ist nicht unbedingt für die alten Leute wichtig Aber solche Geschichten machen das Landleben auch aus: Dass die Leute versorgt werden, und sich gegenseitig versorgen mit dem, was sie brauchen Stell mal bitte den Sauerstoff nach, ich hab nichts mehr in der Nase Ist er vielleicht doch schon alle? -Das glaube ich ehrlich nicht Zuhause alt werden Es kann klappen Und das bis zuletzt * ruhige Gitarrenmusik * Untertitel: ARD Text im Auftrag des MDR