Unser Land – Die Sendung vom 22. März 2019

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Unser Land – Die Sendung vom 22. März 2019

Untertitelung: BR 2019 Grüß Gott bei UNSER LAND In Bayern heißt’s gern mal: “Das haben wir schon immer so gemacht, das bleibt so.” Ganz anders handhaben das drei junge Leute Die gehen bei Schweinen, Hühnern und Co. innovative Wege Daniel Haser, 28, aus Bayersoien im Landkreis Garmisch-Partenkirchen bleibt fast nichts anderes übrig Zwar ist sein Bauernhof idyllisch gelegen, aber ziemlich klein, grad mal vier Hektar hat er Im Durschnitt hat ein landwirtschaftlicher Betrieb in Bayern 35 Hektar Trotzdem kann Daniel Haser davon leben, und zwar im Vollerwerb Daniel Haser und seine Frau haben ein Experiment gewagt: Sie wollten einen Bauernhof gründen, auf einem kleinen Stück Land, das er geerbt hat Der Start mit Tieren, die ihm erst mal fremd waren Wir haben am Anfang gar keine Ahnung gehabt Wir haben mit 50 Hühnern angefangen Jetzt haben wir 350 Hühner Es war nicht einfach, sich da reinzufuchsen Wir sind Säugetiere und die Hühner sind Vögel, und das ist ein anderer Mechanismus Die haben ein anderes Verdauungssystem, andere Bedürfnisse, eine andere Körpertemperatur Wir waren am Anfang überrascht, weil wir uns das so nicht vorgestellt haben Mittlerweile klappt das mit der Hühnerhaltung Etwa 200 Eier sammelt er täglich ein Aber kann man davon leben? Zunächst heißt es: “Alles wird verwertet.” Der Großteil der Eier wird frisch verkauft, die B-Ware verarbeitet Daniel produziert daraus Eierlikör oder lässt von einem Berufskollegen Eier-Nudeln machen Dann gilt, die Ware wird ab Hof verkauft, bzw. aus dem Schrank Mit Selbstbedienung, auf Vertrauensbasis Die Direktvermarktung ist für Daniel wichtig Wir verkaufen unsere Eier für 30 Cent das Stück, also für drei Euro die Schachtel Die drei Euro bleiben uns ganz Wenn man im Supermarkt eine Schachtel Eier für drei Euro kauft, bleiben zwischen 10% und 20% bei den Bauern Das heißt, wir müssen 80% bis 90% weniger produzieren, um am Ende aufs Gleiche rauszukommen Anders könnten wir es gar nicht schaffen Doch nicht alles verkauft sich direkt aus dem Schrank Deshalb beliefert Daniel auch kleinere Geschäfte Eines davon ist der Dorfladen von Bad Bayersoien, nur ein paar Hundert Meter weiter Dort steht ein ganzes Regal mit seinen Produkten Im Angebot sind nicht nur Nudeln und Eierlikör, sondern auch Suppen und Soßen, die er seit Kurzem mit einem befreundeten Koch herstellt Die Zutaten dafür sind größtenteils von seinem Hof und aus der Region Die Produkte von Daniel verkaufen sich sehr gut Leute aus Schongau, Apfeldorf oder noch aus München nehmen gleich 20 Gläser mit, damit es sich rentiert Ich glaub, wir haben da einen Bedarf entdeckt Auf diesen Bedarf an regionalen Produkten baut Daniel, auch bei weiteren Standbeinen Keine 2 km vom Hof entfernt liegt sein Weideland, das den Großteil seiner vier Hektar ausmacht Darauf 45 Waldschafe Eine genügsame, robuste Rasse Frei, unabhängig sein, das war Daniel und seiner Frau bei der Betriebsgründung am wichtigsten Auf Fremdkapital verzichten sie deshalb Genauso wie auf staatliche Subventionen Zu unsicher Es war damals schon klar, dass die Gesellschaft nicht bereit ist, diese Subventionen langfristig mitzutragen Dann haben wir für uns beschlossen, dass wir den Betrieb nicht darauf ausrichten sollten, weil das nicht zukunftsfähig ist Wir haben gesagt: “Das muss ohne funktionieren.” Das tut es Und Spaß macht es auch, vor allem mit 20 frisch geborenen Lämmern Es ist herrlich Jetzt sind sie langsam so groß, dass sie viel rumspringen, Spaß haben und miteinander spielen Das ist echt grad eine Wonne, das ist wirklich schön Trotzdem sind seine Schafe natürlich Nutztiere Das zarte Fleisch ist begehrt Er liefert es selbst aus 60 feste Kunden hat er mittlerweile Damit er ihnen ganzjährig etwas bieten kann, vertreibt er zusätzlich zum Lamm Bio-Rindfleisch von einem befreundeten Bauern Ich hab dir Suppenfleisch mitgebracht Dann Western-Steaks Ein Bratenstück und Gulasch Das kostet im Mischpaket 16 Euro pro Kilo Für seine Käufer akzeptabel, die meisten sind inzwischen Stammkunden Trotzdem müssen die Produkte vom Haserhof beworben werden Und das geht am besten im Internet Darum kümmert sich Daniels Frau Stefanie Sie ist Grafik- und Webdesignerin Ich bin verantwortlich für die Bildbearbeitung und füttere den Facebook-Kanal, dass die Leute auf dem Laufenden bleiben

Direktvermarktung bedeutet aber auch viel Buchhaltung, viele unschöne Dinge, die aber getan werden müssen Regional und nachhaltig, damit haben Daniel und Stefanie einen Nerv getroffen In Zukunft wollen sie mit Obstbäumen ein weiteres Standbein aufbauen Auch da soll ihre Devise sein: Lieber klein, aber dafür unabhängig Es ist schon bemerkenswert, dass das klappt Ganz gegen den Trend “wachsen oder weichen” Und unabhängig ist er auch noch Im Gegensatz zu den meisten anderen Landwirten Die liefern ihr Getreide im Lagerhaus ab, ihre Milch bei der Molkerei und die Tiere im Schlachthof Und sind so abhängig vom Preisdiktat des Handels Die Alternative ist Direktvermarktung ab Hof, im Dorfladen oder wie hier auf einem Bauernmarkt Wobei, hier ist das Risiko, es ist einen Haufen Arbeit, und alles, was nicht verkauft wird, muss wieder mit nach Hause genommen werden Unser nächster Landwirt, Johannes Buchner in Scheinfeld in Mittelfranken, geht noch mal einen ganz anderen Weg 60 Schweine, und das im Freiland Das gibt es nicht oft in Bayern Johannes Buchner, ein konventioneller Landwirt, hat sich damit einen Traum erfüllt Aber: Freilandschweine bedeuten den 10-fachen Arbeitsaufwand im Vergleich zu normaler Stallhaltung: Futter rausbringen, Zäune versetzen, die Weiden wechseln, zum Schlachten die Tiere einfangen Doch wer ist bereit, ihm das teure Fleisch abzukaufen? Ich hab bei vielen Metzgern angefragt, aber ich gemerkt, dass da kein Interesse da ist Bzw. können die das nicht so weitergeben Also wenn ich so eine Haltung machen will, dann muss ich sie selber vermarkten Das macht er im eigenen Hofladen, zudem beliefert er auch Kunden Das Problem: die Vermarktung nimmt mehr Zeit in Anspruch als die Schweinehaltung selbst Das will er nicht Dann stößt er auf eine Vermarktungsplattform im Internet Das hat mir gut gefallen, dann hab ich da spontan angerufen Die haben dann gemeint: “Ja, können wir probieren.” Ob ich nicht mal 20 Schweine hätt Da hab ich geschluckt, das ist für mich eine große Menge Aber er kommt ins Geschäft Mit dem Anbieter der Online-Seite: Kaufeinschwein.de Das Versprechen: Fleisch aus artgerechter Haltung Strohschweine, Bioschweine, Freilandschweine, vom Landwirt der Wahl Online zu bestellen direkt nach Hause Das Konzept: erst wenn ein Tier komplett verkauft ist, wird es geschlachtet und das Fleisch verschickt Die Grafik auf der Webseite zeigt an, wie viel Prozent des Schweins schon bestellt sind Ich muss mich nicht um den Webshop kümmern und um die Kundenpflege, das macht die Firma So ist das für mich eine einfache Sache Ich kann das Schwein komplett verkaufen, und die kümmern sich um die Vermarktung Das ist natürlich super Alles, was er tun muss, ist, seine Tiere zum Schlachthof liefern Der ist knapp 40 km entfernt Von dort wird der Schlachtkörper dann vom Online-Händler abgeholt Den Preis bestimmt der Landwirt selbst: 500 Euro pro Tier, mit etwa 110 Kilo Schlachtgewicht Das ist 5-mal so viel, wie wenn er es an den Schlachthof direkt verkaufen würde Ein guter Preis, den er für seine tierfreundliche Haltung aber auch braucht Und hier ist er: Johannes Buchners Freilandhof mit seinen Cornwall-Schweinen auf der Webseite von “Kaufeinschwein” In Text und Bild bekommen Kunden einen Eindruck davon, wie er seine Tiere hält Das Fleisch wird unter dem von ihm selbst gegründeten Label “Steigerwälder Schwarzerle” angeboten Das Besondere bei “Kaufeinschwein”: Das Fleisch gibt’s nur als Mischpaket Vom Rückensteak über Bauchspeck, Würste bis hin zum Gulasch Damit wollen die Vermarkter sicherstellen, dass möglichst das ganze Schwein verwertet wird Innereien werden zu Tierfutter verarbeitet, die Leber geht in die Leberwurst Das kleine 3,6-Kilo-Paket, mit 15 Mahlzeiten für zwei Personen, kostet 79,95 Euro Das große 129,95 Euro Ob sich das verkauft? Aus Erfahrung mit einem eigenen Onlineshop weiß er, wie schwierig die Vermarktung im Internet ist Vor 10 Jahren war ich echt skeptisch, nachdem mein Onlineshop gescheitert ist Allerdings hatte ich nicht die Reichweite dieser neuen Projekte Von daher hab ich absolut Respekt, wenn das funktioniert Und es funktioniert: Bereits nach 3 Tagen sind die 20 Schweine von Johannes Buchner im Internet verkauft

Allerdings: Das Versprechen für die Kunden, dass jedes Schwein erst einzeln verkauft und erst dann geschlachtet wird, stimmt so nicht Die Grafik hat sich hier nicht wie beschrieben auf ein einzelnes Tier bezogen, sondern auf alle 20 Wen stört’s Das Konzept funktioniert Übrigens auch mit Rindern, beim Online-Portal Kaufnekuh.de Vom Schlachthof im mittelfränkischen Aub, wohin Johannes Buchner seine Tiere liefert, wird das Fleisch dann vom Internethändler ins 300 km entfernte Überlingen am Bodensee gebracht und dort verarbeitet, portioniert und vakuumverpackt Von hier aus werden die Pakete mit Frischfleisch mit “GO! Express” gekühlt an die Kunden verschickt Seine bisherigen Vermarktungswege will der Landwirt trotzdem beibehalten “Kaufeinschwein” kann er erst wieder im Juni beliefern Ich vermarkte im Moment so 100-150 Schweine im Jahr Das verkauf ich im Moment Wenn “Kaufeinschwein” 20 Schweine auf einmal kauft, und das alle paar Wochen, mach ich mich ein bissel abhängig von denen Da bin ich ein wenig vorsichtig Da muss ich erst mal schauen, wie sich das entwickelt Und er hat noch einen weiteren Internetvermarkter: Die Metzgerei Böbel Die hat neben einem Laden im mittelfränkischen Georgensgmünd auch einen Onlineshop Und verkauft dort das 5-Fache an Freilandschweinen wie im Geschäft vor Ort Die Steigerwälder Schwarzerle aus der tiergerechten Haltung lassen sich im Internet offenbar besser vermarkten als direkt vor der Haustür Dass Landwirte ihre frischen Produkte per Internet verkaufen, scheint ein interessantes Geschäftsmodell zu sein Aber wie ist das aus Sicht der Kunden? Das haben wir für Sie ausprobiert Besser gesagt hat es die Jutta Saumweber von der Verbraucherzentrale Bayern ausprobiert Wie hat’s funktioniert? Es hat ziemlich gut funktioniert Einfach online ein Paket bestellen Man kann da Mini- und Maxi-Pakete bestellen Ich hab ein konventionelles Strohschwein bestellt Also Produkte davon Zuerst wurde mir gesagt: Lieferzeit zwei bis vier Wochen Nach drei Tagen war das Paket da Was hat das gekostet? 55 Euro und 6 Euro Versandkosten Was ist alles drin in diesem Paket? Wiener, und das sind Rostbratwürste Ein Wammerl ist dabei Wie viel ist das insgesamt an Fleisch? Das sind 3,6 Kilo Fleisch und Wurst Und dann hat man auch noch Hochwertigeres: Geschnetzeltes, Nackensteak, Gulasch Leberwurst ist mit dabei, und auch Lyoner Haben Sie schon was probiert? Ein Schnitzel hab ich probiert Das war sehr gut Ist das Fleisch von dem Landwirt aus unserem Beitrag, vom Johannes Buchner aus Mittelfranken? – Nein Das ist von einem Landwirt aus Biberach in Baden-Württemberg Kann ich bestimmen, von wem ich’s haben möcht? Nein, das geht auf der Internetseite nicht Es wird einem aber angezeigt, welcher Landwirt das Schwein liefert Hinter den Internetseiten “Kaufeinschwein”, “Kaufnekuh”, “Kaufeinhuhn” steckt ein Niederländer dahinter, ein Start-up-Unternehmen Der geht mit dem Begriff “Crowdbutching” in die Werbung “Crowdbutching” meint, dass man sozusagen an einem Tier teil hat Dass man ein Teilstück von einem Tier kauft Es wird dann geschlachtet, wenn 100% des Tieres verkauft worden sind Wir haben grad gesehen, dass das wohl doch nicht ganz so ist Wie ordnen Sie das ein? Dann, würd ich sagen, geht das in eine irreführende Richtung für Verbraucher, wenn das nicht stimmt Es wird mit Individualität geworben Der Verbraucher bestellt sich individuell ein Schwein Man bekommt auch gesagt: “Das Schwein 4993 ist Ihnen jetzt geliefert worden.” Und wenn das nicht stimmt, ist das nicht in Ordnung Dieser Unternehmer aus den Niederlanden hat letztes Jahr einen Preis bekommen, von der Bundesinitiative “Zu gut für die Tonne!”, weil alles von den Tieren verarbeitet wird Wie schätzen Sie das ein? Das ist kein Aspekt, mit dem man werben kann, weil das in normalen Schlachthöfen auch passiert Es wär unsinnig, die Tiere nicht komplett zu verwerten Es wird alles verwertet Beim Schwein von der Schnauze bis zu den Ohren Da gehen Teilstücke nach China Die Borsten werden verkauft Auch im normalen Betrieb wird alles verwertet

Ist es aus Kundensicht sinnvoll oder nicht? Es ist mehr Tierwohl Es wird ziemlich klar im Internet, wie die Tiere leben Es ist ziemlich gut bebildert Auch wie die Ställe aussehen Acht von den Bauern, die anbieten bei “Kaufeinschwein”, das sind fünf Bio-Betriebe dabei Bio ist ein hoher Standard Teilweise sogar Demeter-Betriebe Das ist schon eine gute Möglichkeit, Tierwohl-Fleisch zu kaufen Danke, dass Sie es für uns ausprobiert haben Wir rollen jetzt den grünen Teppich aus Diesmal für eine junge Landwirtin: Maria Eichstetter aus Margarethenthann im Landkreis Kelheim Sie produziert auch Fleisch Sie sagt, wie viele andere Landwirte auch: “Ich lieb ja meine Tiere, aber irgendwann kommt der Metzger.” Ich bin die Maria Eichstetter und wohne in Margarethenthann Mitten im Hopfenanbau-Gebiet haben wir einen Hof mit Schottischen Hochlandrindern Der Papa hat das gemacht Aber vor 3 Jahren ist er leider gestorben Meine Mama und ich helfen jetzt zusammen, damit der Hof weiterläuft Wir haben auch viel Spaß dabei Gleichzeitig bin ich noch Osteopathin und Physiotherapeutin Das war ich vorher schon, und möcht’s gern weiterhin sein, weil das ganz wichtig für mich ist Die Hochlandrinder sind einfach so ruhig und geerdet Ich glaub, ich brauch das Mit denen bin ich immer superruhig Das kann ich in anderen Situationen nicht so ein Da fahr ich gern mal aus der Haut Das ist total spannend, weil mit denen passiert das nie Mein Vater und meine Mutter haben 1985 geheiratet Die Hochlandrinder hat meine Mama in einer Zeitschrift entdeckt Das Foto hat ihr so gut gefallen, dass es für sie keinen Zweifel gab, dass genau diese Rasse herkommen muss auf den Hof Der Hopfen war ziemlich lang das Haupt-Standbein, weil die Hochlandrinder mehr Hobby waren Es ist dann immer mehr und immer größer geworden Und 2005 haben wir uns auf die Hochlandrinder verlagert, als komplettes Standbein Mit der Direktvermarktung und dem Verkauf von Zuchttieren Wir hatten immer ein Kübelkind, das wir mit Milch gefüttert haben Das ist uns als Mama hinterhergerannt So wie bei den Gänsen die Küken überall mit hinlaufen, ist sie uns überall hinterhergelaufen Hey, hey Grüß euch Komischerweise ist mir nie in den Sinn gekommen, dass ich Landwirtschaft als Ausbildung machen könnte Ich hab gedacht, da ist man ein Einzelkämpfer Und ich bin sozial eingestellt, ich wollt viel unter Leute kommen Mein Vater wollt auch nie aufhören Der hat immer davon gesprochen, dass er mit 80 noch arbeiten will Der war noch einer vom alten Schlag, ein bissel altmodisch Der hat gesagt: “Du musst nur einen Gescheiten heiraten, dem bring ich alles bei.” Vielleicht hätt er einem Buben mehr zugetraut, mehr an den abgegeben Aber das Mädel hat er einfach geschont Heumachen hab ich mal versuchen dürfen Da bin ich gleich in den Elektrozaun reingefahren Dann hat er’s lieber wieder selber gemacht Ich war eine totale Spätzünderin Ich war noch am Rockzipfel von der Mama und wollt nicht ausziehen Und Physiotherapie hat schon meine Schwester gemacht, das hat sich gut angehört, die Berufsfachschule ist in der Nähe Also hab ich noch 3 Jahre gehabt, wo ich erwachsen werden konnte Erst dann hat’s mich gerissen:

Jetzt muss ich auf alle Fälle raus Da war’s dann an der Zeit, da hab ich mir eine Arbeitsstelle in Österreich gesucht, in Tirol Die Zeit in Österreich hat mir einfach diese Abnabelung gebracht Mei, hast du schöne Ohrlocken Ich könnt jetzt eine Stunde so weitermachen, die würd sich nicht beschweren Das ist eine wichtige Kontaktaufnahme So krieg ich auch viel besser mit, ob bei ihnen alles passt Das ist ein Mitarbeitergespräch Wenn’s den Mitarbeitern gut geht, geht’s mir auch gut Ich hab vorher Grabenkämpfe mit dem Papa gehabt, aber als ich wieder da war, waren wir beide ein bissel gereift Vor allem ich bin gereift und hab meinen Horizont erweitert Am 15 September 2016 ist mein Vater gestorben Wir haben zu der Zeit auch ein Kälbchen gehabt, das wir mit Milch gefüttert haben Er ist ins Haus gegangen und hat die Milch für abends warm gemacht Er hat sich dann hingesetzt und Blutdruck gemessen Er wird sich nicht wohlgefühlt haben, sonst hätt er das nicht gemacht Als die Mama gekommen ist, war die Milch übergekocht und er war von der Bank gerutscht Ich war da mit Freunden im Urlaub in Südfrankreich Sie haben mich dann natürlich angerufen Ich hab dann die ganze Nacht Listen geschrieben, wo die einzelnen Gruppen der Hochlandrinder sind, was man da alles machen muss, damit ich einigermaßen organisiert bin Weil ich gewusst hab, der Betrieb läuft einfach weiter (Mutter) Ich glaub, für die Maria war’s am schwierigsten Ihre Schwester, die Steffi, hat zwei Kinder Sie hatte ihren Papa verloren, aber ihr Leben hat sich nicht so komplett geändert wie das von der Maria Die Maria ist plötzlich dagestanden: Was machen wir? Machen wir weiter? Schaffen wir das überhaupt? Wie geht das? Und, ja, momentan haben wir weitermachen müssen, die Tiere waren da Wir haben nicht sagen können, die geben wir jetzt her Und wohin auch? Maria hätt sich’s einfach machen können: “Ich lass das Ganze, ich verpacht es.” Sie hätte es sich wirklich einfacher machen können Aber das ist nicht die Maria Die erste Zeit war megahart Ich hab nicht mal richtig durchschlafen können Wenn der Wind geweht hat, die Läden geklappert haben und eine Kuh geplärrt hat, war draußen und hab geschaut, warum die plärrt: Braucht die Hilfe? Kriegen wir ein Kälbchen? Meine Mama hat gewusst, dass der Papa da ruhiger war Dann hat sie mich geschimpft, dass ich eine Helikopter-Bäuerin bin und dass ich durchatmen soll Sie war total unsicher Sie hat oft den Tierarzt angerufen, ohne Grund Einfach: Passt alles? Ist alles in Ordnung? Der hat dann selber gesagt: “Maria, ganz ruhig, die Kühe machen das schon.” Am Anfang wollten wir beweisen, dass wir’s schaffen können Weil es wurde uns überhaupt nicht zugetraut Die Gerüchte machen heut oft noch die Runde: “Sie hören auf Sie machen nimmer weiter.” Woher die kommen, weiß ich nicht Aber ab und zu wird man von der Kundschaft gefragt: “Stimmt das? Hört ihr wirklich auf?” Nein, momentan nicht Jetzt ist alles fertig Sie dürfen kommen Morgen, Maria – Guten Morgen Und wie ist’s mit dem Ellbogen? Ui, da hakt’s noch ein bissel Tun Sie die Narbe mobilisieren? Ja, ich mach halt so Immer schön sanft, gell? Schießt so ein Schmerz nach vorne in die Hand? – Nein Wieder ausatmen und locker lassen

Ich hab eine Ausbildung für Menschen-Osteopathie Es gäb auch die Tier-Osteopathie Die werd ich aber nicht machen, weil ich festgestellt hab, dass man superviel übertragen kann Ich probier noch viel aus, weil ich noch ganz am Anfang bin Packen wir’s wieder? Da sieht man’s schon, das ist der Wirbel Durch den Druck könnt sich der Wirbel einrichten Der ist blockiert in Linksrotation Der mag nicht in die Rechtsrotation, das spür ich Für mich ist ganz wichtig, dass die ein gutes Leben haben aufm Hof Und wenn ich sie zum Schlachten fahren muss, dann ist das schon nicht einfach Ich entschuldig mich dann, wenn sie betäubt werden Dafür, dass sie jetzt gehen müssen Aber der Metzger darf das nicht hören, der versteht das nicht Das ist für mich was ganz Neues Meine Eltern waren nicht auf Schauen Ich war auch nur Zuschauerin Jetzt hab ich mir was abgeschaut und möcht selber Tiere auf der Schau ausstellen Der ursprüngliche Gedanke von Schauen ist, sich mit anderen Züchtern zu messen Wenn man alle Tiere nebeneinander sieht, hat man den direkten Vergleich Dann können die Käufer schauen, ob ihnen was gefällt, ob sie was mit nach Hause nehmen wollen Ich bin momentan allein Aber ich wollt das jetzt alleine schaffen Und nicht denken: Hab ich das nur geschafft, weil der Partner mitgeholfen hat? Natürlich wär eine Schulter zum Anlehnen nett, aber der Wunsch ans Universum ist schon gesendet Uns ist nach wie vor bewusst, dass man auf unseren Hof sehr schaut Weil zwei Frauen, die das machen, das ist schon irgendwie außergewöhnlich, oder? Da denk ich mir immer, der Papa passt von oben auf uns auf Ich glaub, er hat’s mir nicht wirklich zugetraut Aber ich bin schon stolz, wie die Mama und ich das schaffen Das war Maria Eichstetter aus Margarethenthann im niederbayerischen Landkreis Kelheim Den grünen Teppich und alle anderen Beiträge können Sie sich noch mal anschauen unter: br.de/unserland Bei YouTube und in der BR Mediathek Und Sie können mit uns diskutieren bei Facebook Ich freu mich, wenn Sie nächsten Freitag wieder mit dabei sind Untertitelung: BR 2019